Die Islamische Republik Iran und die Bundesrepublik Deutschland können auf eine lange Tradition guter Beziehungen zurückblicken. Die seit 500 Jahren bestehenden iranisch-deutschen Beziehungen, gründen sich auf den Willen der Völker beider Länder, was in verschiedenen Epochen auf deren sicherheitspolitische Überlegungen und gemeinsame Interessen zurückzuführen ist. Historisch betrachtet führte eine Reihe von politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Überlegungen und Faktoren zu einer Annäherung beider Länder. Die Geschichte beider Länder ist von vielen Höhen und Tiefen geprägt, die die bilateralen Beziehungen in verschiednen Epochen beeinflusst haben.
Im 16. Jahrhundert entstanden die iranisch-deutschen Beziehungen aus dem Interesse beider Länder, sich gegen das Osmanische Reich miteinander zu verbünden. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde Iran durch den 13-jährigen Krieg mit Russland in Deutschland zu einem Begriff. Die preußische Regierung, die das Gleichgewicht der Mächte in Europa aufrechterhalten wollte, näherte sich dem Osmanischen Reich und Iran an, die vom zaristischen Russland besiegt worden waren. Nach der Gründung des Deutschen Reichs trat diese Regierung als Verbündeter Irans gegen den russischen und britischen Kolonialismus in Erscheinung. Mit der Niederlage des zaristischen Russland gegen Deutschland im Ersten Weltkrieg wurde Iran von der russischen Herrschaft befreit.
Während der ca. 5 Jahrhunderte bestehenden Beziehungen zwischen beiden Ländern wurden die Beziehungen in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Handel und Kultur ausgebaut. Viele Deutsche kamen nach Iran und trugen zum Fortschritt und zur wirtschaftlichen Entwicklung Irans bei. Darüberhinaus wurden große Anstrengungen unternommen, um das deutsche Volk mit der iranischen Kultur und Zivilisation vertraut zu machen. Auf dieser Grundlage tragen auch die Übersetzungen der Werke von Hafis, Saadi und Firdausi sowie die Übersetzung des Koran ins Deutsche entscheidend bei.
Die bilateralen Beziehungen in ihrer derzeitigen Form gehen auf das Jahr 1885 zurück, d.h. auf die offizielle Eröffnung der Iranischen Botschaft in Berlin und der Deutschen Botschaft in Teheran während der Regierungszeit des Kadscharenherrschers Nasereddin Schah in Iran und der Kanzlerschaft Bismarcks in Deutschland.
Während des Zweiten Weltkriegs erklärte Iran seine Neutralität, doch die alliierten Streitkräfte unternahmen unter dem Vorwand, dass einige hundert deutsche Experten im Iran präsent seien, die sie als „fünfte Kolonne des Feindes“ bezeichneten, einen Angriff auf Iran und besetzen Iran im Jahre 1941. Zu jener Zeit bestanden sehr gute Beziehungen zwischen beiden Ländern und Deutschland nahm im iranischen Außenhandel den ersten Rang ein.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gelang es Iran, zusätzlich zu seiner Botschaft in Deutschland auch drei Generalkonsulate in Hamburg (März 1951), München (Mai 1960) und Westberlin (1966) zu eröffnen. Die Existenz dieser vier politischen und konsularischen Vertretungen Irans in Deutschland war ein Zeichen für die umfangreichen Beziehungen beider Länder, die gegründet waren auf Faktoren wie
- die historischen Beziehungen beider Völker,
- die Präsenz einer großen Zahl von Iranern in Deutschland,
- den Bedarf an wirtschaftlicher Zusammenarbeit,
- das politische Verständnis beider Regierungen füreinander in Bezug auf regionale Fragen und internationale Politik,
- die Beherrschung der Politik und Wirtschaft beider Länder durch die USA,
- die Mitgliedschaft beider Staaten in westlichen Allianzen (Deutschland in der NATO und Iran im CENTO-Pakt),
- den Druck der Sowjetunion und die Bedrohung durch den internationalen Kommunismus.
Bis vor dem Sieg der Islamischen Revolution in Iran reisten viele hochrangige Delegationen aus Deutschland nach Iran, ein Zeichen dafür, dass Iran für Deutschland und seine Wirtschaft in der Region von großer Bedeutung war. Das Ergebnis dieser Reisen war der Ausbau der politischen Beziehungen beider Länder und der Abschluss mehrerer Abkommen zur wirtschaftlichen, militärischen und kulturellen Zusammenarbeit.
Nach dem Sieg der Islamischen Revolution in Iran erfuhren die Prinzipien der iranischen Außenpolitik tiefgreifende Veränderungen. Iran verfolgte in der Tat eine unabhängige Außenpolitik, definierte seine Ziele außerhalb des West- und Ostblocks und versuchte sie auch außerhalb der beiden Blöcke zu erreichen.
Die Beziehungen beider Länder bestanden auch nach der Islamischen Revolution fort, und obwohl sie von den allgemeinen zwischen Iran und den europäischen, westlichen Staaten bestehenden Beziehungen beeinflusst wurden, hatte Deutschland unter den europäischen Staaten aus verschiedenen Gründen stets eine Sonderstellung in der iranischen Außenpolitik, und die politischen Beziehungen mit Deutschland wurden aufrechterhalten. Trotz der Höhen und Tiefen in den Beziehungen beider Länder befürwortete innerhalb der EU Deutschland neben Frankreich stets Dialog und Beziehungen mit unserem Land.
Hans-Dietrich Genscher besuchte Iran im Juli 1984 als erster Außenminister eines europäischen Landes und NATO-Mietgliedsstaates. Er war auch der erste westliche Politiker, der Saddam Hussein als Aggressor bezeichnete und zwei weitere Male (im November 1988 und im Mai 1991) nach Iran reiste, während er zur Zeit des Schah-Regimes keine einzige Reise nach Iran unternahm.
Innerhalb der letzten drei Jahrzehnte wurden zahlreiche Delegationen auf verschiedenen Ebenen zwischen beiden Ländern ausgetauscht. Zu den wichtigsten gehörte der offizielle Besuch des ehemaligen iranischen Staatspräsidenten Khatami am 10. und 11. Juli 2000, mit dem ein neues Kapitel in den Beziehungen beider Länder begann.
Seit dieser Zeit ist Deutschland auch weiterhin ein wichtiger Wirtschafts- und Handelspartner Irans in Europa geblieben. Das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern betrug in den letzten 10 Jahren im Durchschnitt jährlich ca. 4 Milliarden Euro. Die deutsche Politik fußte im Gegensatz zur amerikanischen, die auf Feindschaft, Isolation und Wirtschaftssanktionen gegen Iran gegründet war, immer auf Dialog und Zusammenarbeit.
Deutschland hat angesichts seiner einflussreichen Rolle in der EU auch bei der Konsolidierung der Beziehungen zwischen der Islamischen Republik Iran und der EU eine beachtliche Rolle gespielt und hat sich stets gegen die feindschaftliche Politik der USA gegenüber Iran gewandt.
In den letzten Jahren wurden die bilateralen Beziehungen durch die Nuklearfrage beeinträchtigt. Dennoch hat man sich bemüht, andere Möglichkeiten der Beziehungen auszuschöpfen, um so den bilateralen Beziehungen die nötige Dynamik zu verleihen.
Was die Kultur und die Iranistik betrifft, so ist Deutschland auch eines der wichtigsten Iranistik-Zentren in Europa. Deutsche Wissenschaftler und Forscher haben entscheidend dazu beigetragen, Europäer mit der iranischen Kultur, Kunst und Literatur vertraut zu machen.
Neben dem Fach Iranistik an Universitäten, Kulturinstituten und nichtstaatlichen Organisationen wurde an manchen deutschen Universitäten auch ein Lehrstuhl für persische Sprache und Literatur eingerichtet und Persisch unterrichtet.
Die Präsenz von mehr als 200000 Iranern in Deutschland, von denen die meisten Akademiker und Geschäftsleute sind und zu den angesehenen, einflussreichen Schichten der Gesellschaft dieses Landes gehören, hat zu beständigen Beziehungen zwischen den Völkern beider Länder geführt. Oftmals haben Deutsche eine positive Haltung den Iranern gegenüber, und umgekehrt hat auch das iranische Volk eine positive Meinung von den Deutschen. Dies ist ein großes Kapital für den Ausbau der Beziehungen.
Nun haben mit der Wiedereröffnung des Generalkonsulats der Islamischen Republik Iran in München die drei iranischen Generalkonsulate in München, Frankfurt am Main und Hamburg sowie auch die Konsularabteilung der Botschaft der Islamischen Republik Iran in Berlin die Aufgabe, in Deutschland lebenden Iranern und deutschen Staatsangehörigen ihre Dienste zu erweisen. Täglich stehen sie vielen Menschen, die sich an sie wenden, mit Rat und Tat zur Verfügung.
Neben den bilateralen Aspekten der Beziehungen zwischen Iran und Deutschland arbeiten beide Länder auch auf Gebieten wie der Erhaltung des Friedens und der internationalen Sicherheit durch internationale Instanzen, z.B. die Vereinten Nationen, und der Lösung internationaler Konflikte auf friedlichem Wege zusammen. Beide Länder nehmen eine ablehnende Haltung gegen den Krieg, u.a. gegen den Angriff der USA auf den Irak, ein und befürworten die Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder und die Achtung des Selbstbestimmungsrechts der Völker. Sie versuchen auch, in regionalen Konflikten eine Vermittlungsrolle zu übernehmen. So bemühen sich beide Länder beispielsweise konstruktiv um eine Lösung der Krisen in Berg-Karabach und im Libanon sowie um die Drogenbekämpfung.

