Logo

 

 

Botschaft der Islamischen Republik Iran  Berlin

Rede des Botschafters der Islamischen Republik Iran

bei der gemeinsamen Nowruz-Feier der Iraner, Afghanen und Tadschiken

Berlin, 24.03.2010

 

Im Namen Gottes!

Exzellenzen,

liebe Gäste,

meine Damen und Herren,

als erstes möchte ich allen Anwesenden herzlich gratulieren, die gerade in diesen Tagen an einen inneren Wandel und eine äußere Schönheit denken, wenn sie das Wort „Nowruz“ hören. „Nowruz“ – der neue Tag – ist für uns und für alle Menschen auf der Welt, die dieses einzigartige Fest mit einer unbeschreiblichen Vorfreude begehen, tatsächlich ein Anlass zu Wandel, Neubeginn, Nächstenliebe, Freude und Frieden. Wir alle spüren eine starke Zuneigung zu diesen Begriffen, erst recht, wenn sie von der Wiedergeburt der Natur begleitet werden. Der erste Farwardin, der 21. März, bewegt heute die Gemüter von mehr als 300 Millionen Menschen sowohl in unserer Region als auch in manch anderen Regionen der Welt.

Das Neujahrsfest Nowruz ist vor mehreren Tausend Jahren in erster Linie aus der Notwendigkeit entstanden, den Zyklus natürlicher Ereignisse kalendarisch festzulegen; dies war vor allem für die Bauern von besonderer Bedeutung, weil sie dadurch ihrer landwirtschaftlichen Arbeit präziser nachgehen konnten.

Persischsprachige Dichter und Historiker wie Firdausi, Onsori, Biruni, Tabari und viele andere verknüpfen das Nowruzfest in ihren Gedichten und Schriften mit der Zeit der frühen Könige Persiens, vor allem mit Jamshid-Shah. Dazu schreibt Abureyhan-e Biruni: „Jamshid feierte den Tag, der ein neuer war, obwohl Nowruz auch vor ihm groß gefeiert wurde“.

Mit der Islamisierung des großen Iran erhielt Nowruz weiterhin seinen Stellenwert beim iranischen Volk, denn sowohl der Prophet des Islam als auch die schiitischen Imame den Nowruz nicht nur befürwortet, sondern auch wichtige historische Ereignisse mit ihm verknüpft haben: Die Arche Noah soll nach der Sintflut an diesem Tag im Gebirge Ararat gelandet sein; Gott verpflichtete am Nowruz die Menschen, nur Ihn zu verehren; Imam Ali riss an diesem Tag die Götzen in der Kaaba nieder; und am Nowrouz wird Imam Mahdi erscheinen. Dadurch gewinnt das Nowruzfest bei uns Muslimen eine zusätzliche Bedeutung.

Nowruz wird heute zwar in verschiedenen Ländern der Welt unterschiedlich gefeiert, aber die eigentliche Kern-Botschaft des Nowruz, nämlich der Wunsch und die Erwartung des Wandels, ist überall die gleiche.

In den Minuten vor dem Jahreswechsel sprechen wir dieses Gebet aus:

يا مقلب‌القلوب و الابصار، يا مدبر الليل والنهار، يا محول الحول و الاحوال، حول حالنا الي احسن الحال

Mit diesem Gebet bitten wir Gott, der die Herzen und Augen der Menschen öffnen, Tag und Nacht verwalten und das Befinden und das Innere der Menschen verwandeln kann, unseren Zustand zum Besten zu verwandeln. Denn Gott verwandelt in dieser Zeit auch die Natur zum Besten und haucht ihr neues Leben ein. In zahlreichen Schriftstücken aus alten Zeiten lesen wir, dass die Iraner, egal ob arm oder reich, vor Nowruz versuchten, neue Kleidungen zu kaufen, um parallel mit dem neuen Gewand der Natur ein neues gepflegtes Aus-sehen zu gewinnen; reiche Menschen versorgten die Armen schon vor dem Beginn des neuen Jahres mit neuen Kleidungen.

Exzellenzen,

liebe Gäste,

jeder von Ihnen, der aus dem Kulturkreis des Persiens stammt, kann diese Liste der guten Gewohnheiten und Parallelitäten anlässlich des Nowruz mit Beispielen aus dem eigenem Land erweitern. Aber erlauben Sie mir, auf eine andere Parallele hinzuweisen, was heute kaum beachtet wird:

Ursprünglich begann auch der westliche Kalender im Monat März: eindeutige Beweise dafür sind die Monatsnamen September, Oktober, November und Dezember.

sept heißt auf lateinisch sieben (der siebte Monat);

octo (lat.) heißt acht (der achte Monat);

novem (lat.) heißt neun (der neunte Monat);

und schließlich heißt decem (lat.) zehn (der zehnte Monat).

Wenn der Dezember der zehnte Monat ist, dann muss das Jahr mit März begonnen haben. Aber ich habe hier nicht vor, den westlichen Kalender durcheinander zu bringen!

 

Mit drei sehr erfreulichen Nachrichten schließe ich meine Rede ab:

ٍErstens: Anfang 2010 hat die UNESCO das Nowruzfest nach langen diplomatischen Verhandlungen in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes aufgenommen. Das war ein großer Schritt zur weltweiten Anerkennung der kulturellen Vielfalt. Die Unesco hebt als Besonderheit des Festes die Harmonie mit der Natur und die respektvolle Haltung gegenüber den natürlichen Quellen des Lebens hervor.

Zweitens: Die Staaten Iran, Afghanistan, Aserbaidschan, Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, die Türkei und Turkmenistan haben im Rahmen einer gemeinsamen Initiative den Entwurf für eine UN-Resolution mit dem Titel “Internationaler Nowruz-Tag” zur Vorlage bei der UN-Vollversammlung vorbereitet. In den einleitenden Paragraphen des Entwurfes zu dieser Resolution wird Nowruz als Verkörperung der kulturellen Einheit und eines alten Brauches bezeichnet, der vor mehr als 3 Jahrtausenden begründet wurde und den heute 300 Millionen Menschen in einem weiten geographischen Raum, der den Nahen Osten, Zentralasien und den Kaukasus, die Region des Schwarzen Meeres, den Balkan und andere Gebiete auf der Welt mit einbezieht, pflegen. Im Februar 2010 wurde der 21. März von der UN-Vollversammlung als Internationaler Nowruz-Tag deklariert.

Drittens: Am vergangenen Montag hat die Freie Hansestadt Hamburg zum ersten Mal im Rahmen einer großen Feier und in Anwesenheit von Senatoren und vielen ausländischen Gästen den Nowruz gefeiert.

Meine Damen und Herren,

all diese guten Nachrichten unterstreichen das bindende Element des Nowruz und stärken uns in dem Vorhaben, ihn als gemeinsames kulturelles Erbe zu pflegen und weiterzuleiten.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit