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Im
Namen Gottes!
Exzellenzen,
liebe
Gäste,
meine
Damen und Herren,
als
erstes möchte ich allen Anwesenden herzlich gratulieren, die gerade in
diesen Tagen an einen inneren Wandel und eine äußere Schönheit denken,
wenn sie das Wort „Nowruz“ hören. „Nowruz“ – der neue Tag – ist für uns
und für alle Menschen auf der Welt, die dieses einzigartige Fest mit einer
unbeschreiblichen Vorfreude begehen, tatsächlich ein Anlass zu Wandel,
Neubeginn, Nächstenliebe, Freude und Frieden. Wir alle spüren eine starke
Zuneigung zu diesen Begriffen, erst recht, wenn sie von der Wiedergeburt
der Natur begleitet werden. Der erste Farwardin, der 21. März, bewegt
heute die Gemüter von mehr als 300 Millionen Menschen sowohl in unserer
Region als auch in manch anderen Regionen der Welt.
Das
Neujahrsfest Nowruz ist vor mehreren Tausend Jahren in erster Linie aus
der Notwendigkeit entstanden, den Zyklus natürlicher Ereignisse
kalendarisch festzulegen; dies war vor allem für die Bauern von besonderer
Bedeutung, weil sie dadurch ihrer landwirtschaftlichen Arbeit präziser
nachgehen konnten.
Persischsprachige Dichter und Historiker wie Firdausi, Onsori, Biruni,
Tabari und viele andere verknüpfen das Nowruzfest in ihren Gedichten und
Schriften mit der Zeit der frühen Könige Persiens, vor allem mit
Jamshid-Shah. Dazu schreibt Abureyhan-e Biruni: „Jamshid feierte den Tag,
der ein neuer war, obwohl Nowruz auch vor ihm groß gefeiert wurde“.
Mit
der Islamisierung des großen Iran erhielt Nowruz weiterhin seinen
Stellenwert beim iranischen Volk, denn sowohl der Prophet des Islam als
auch die schiitischen Imame den Nowruz nicht nur befürwortet, sondern auch
wichtige historische Ereignisse mit ihm verknüpft haben: Die Arche Noah
soll nach der Sintflut an diesem Tag im Gebirge Ararat gelandet sein; Gott
verpflichtete am Nowruz die Menschen, nur Ihn zu verehren; Imam Ali riss
an diesem Tag die Götzen in der Kaaba nieder; und am Nowrouz wird Imam
Mahdi erscheinen. Dadurch gewinnt das Nowruzfest bei uns Muslimen eine
zusätzliche Bedeutung.
Nowruz wird heute zwar in verschiedenen Ländern der Welt unterschiedlich
gefeiert, aber die eigentliche Kern-Botschaft des Nowruz, nämlich der
Wunsch und die Erwartung des Wandels, ist überall die gleiche.
In
den Minuten vor dem Jahreswechsel sprechen wir dieses Gebet aus:
يا
مقلبالقلوب و الابصار، يا مدبر الليل والنهار، يا محول الحول و الاحوال، حول
حالنا الي احسن الحال
Mit
diesem Gebet bitten wir Gott, der die Herzen und Augen der Menschen
öffnen, Tag und Nacht verwalten und das Befinden und das Innere der
Menschen verwandeln kann, unseren Zustand zum Besten zu verwandeln. Denn
Gott verwandelt in dieser Zeit auch die Natur zum Besten und haucht ihr
neues Leben ein. In zahlreichen Schriftstücken aus alten Zeiten lesen wir,
dass die Iraner, egal ob arm oder reich, vor Nowruz versuchten, neue
Kleidungen zu kaufen, um parallel mit dem neuen Gewand der Natur ein neues
gepflegtes Aus-sehen zu gewinnen; reiche Menschen versorgten die Armen
schon vor dem Beginn des neuen Jahres mit neuen Kleidungen.
Exzellenzen,
liebe
Gäste,
jeder
von Ihnen, der aus dem Kulturkreis des Persiens stammt, kann diese Liste
der guten Gewohnheiten und Parallelitäten anlässlich des Nowruz mit
Beispielen aus dem eigenem Land erweitern. Aber erlauben Sie mir, auf eine
andere Parallele hinzuweisen, was heute kaum beachtet wird:
Ursprünglich begann auch der westliche Kalender im Monat März: eindeutige
Beweise dafür sind die Monatsnamen September, Oktober, November und
Dezember.
sept
heißt auf lateinisch sieben (der siebte Monat);
octo
(lat.) heißt acht (der achte Monat);
novem
(lat.) heißt neun (der neunte Monat);
und
schließlich heißt decem (lat.) zehn (der zehnte
Monat).
Wenn
der Dezember der zehnte Monat ist, dann muss das Jahr mit März begonnen
haben. Aber ich habe hier nicht vor, den westlichen Kalender durcheinander
zu bringen!
Mit
drei sehr erfreulichen Nachrichten schließe ich meine Rede ab:
ٍErstens:
Anfang 2010 hat die UNESCO das Nowruzfest nach langen diplomatischen
Verhandlungen in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes aufgenommen.
Das war ein großer Schritt zur weltweiten Anerkennung der kulturellen
Vielfalt. Die Unesco hebt als Besonderheit des Festes die Harmonie mit der
Natur und die respektvolle Haltung gegenüber den natürlichen Quellen des
Lebens hervor.
Zweitens: Die Staaten Iran, Afghanistan, Aserbaidschan, Kasachstan,
Kirgisistan, Tadschikistan, die Türkei und Turkmenistan haben im Rahmen
einer gemeinsamen Initiative den Entwurf für eine UN-Resolution mit dem
Titel “Internationaler Nowruz-Tag” zur Vorlage bei der UN-Vollversammlung
vorbereitet. In den einleitenden Paragraphen des Entwurfes zu dieser
Resolution wird Nowruz als Verkörperung der kulturellen Einheit und eines
alten Brauches bezeichnet, der vor mehr als 3 Jahrtausenden begründet
wurde und den heute 300 Millionen Menschen in einem weiten geographischen
Raum, der den Nahen Osten, Zentralasien und den Kaukasus, die Region des
Schwarzen Meeres, den Balkan und andere Gebiete auf der Welt mit
einbezieht, pflegen. Im Februar 2010 wurde der 21. März von der
UN-Vollversammlung als Internationaler Nowruz-Tag deklariert.
Drittens: Am vergangenen Montag hat die Freie Hansestadt Hamburg zum
ersten Mal im Rahmen einer großen Feier und in Anwesenheit von Senatoren
und vielen ausländischen Gästen den Nowruz gefeiert.
Meine
Damen und Herren,
all
diese guten Nachrichten unterstreichen das bindende Element des Nowruz und
stärken uns in dem Vorhaben, ihn als gemeinsames kulturelles Erbe zu
pflegen und weiterzuleiten.
Ich
danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit
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